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Kommentar des Netzwerk gegen Femizide zur Aufhebung des Kussverbots des Göttinger Gänseliesel

17. März 2026

„Das Gänseliesel ist ein Symbol dafür, dass sexuelle Belästigung und Übergriffe nicht ernst genommen werden“ 

Durch die Ratsabstimmung um eine Teil-Aufhebung des sogenannten Kussverbots am Gänseliesl ist eine Debatte entbrannt. Denn es geht hier nicht nur um eine Tradition oder um Symbolik: Es geht darum, dass die gesellschaftliche Dimension von sexueller Belästigung und Gewalt gegen Frauen nicht ernst genommen wird.

Ein Kommentar vom Netzwerk gegen Femizide Göttingen

Göttingen, 19.02.2026: Verbale sexuelle Belästigung, auch oft als Catcalling bezeichnet, findet täglich auf den Straßen Göttingens, Niedersachsens, Deutschlands statt. Diese Form der sexualisierten Gewalt ist in Deutschland im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich, Portugal oder den Niederlanden nicht verboten. Dabei weiß jede Frau, jede queere Person und auch jedes Mädchen schon, dass es reale Gewalt ist. Denn wir werden damit angegriffen. Tagtäglich. Durch Sprüche wie: „Hey Hübsche, soll ich dich nach Hause bringen?“; „Du bist ja schön, hast du nen Freund?“, „Ein Kuss ist kein Kuss, sei nicht so Prüde“.
Das sind mehr als nur Sprüche. Es sind Drohungen. Aussagen die uns zu Objekten oder Besitz degradieren. Sie halten das System sexualisierter Gewalt als Normalität aufrecht. Sie rufen das Wissen in Erinnerung, dass uns als Betroffenen niemand glauben wird. Dass Vergewaltigungen kaum verurteilt werden. Dass wieder irgendjemand dazu sagt, das war doch nur ein Scherz. Nein, das sind keine Scherze. Die Absichten dahinter sind real. Und auch die Übergriffe die folgen sind real.
Aus diesem Grund ist auch das Küssen einer Frauenstatue ist kein Scherz, keine Tradition, kein Anrecht und keine Lappalie. In einer Situation, in der eine Tradition reale, aktuelle Gewaltverhältnisse unterstützt, ist auch das Aufbegehren dagegen keine Symbolpolitik, sondern Teil des Protestes gegen die alltäglichen Übergriffe.

Historisch betrachtet ist es außerdem relevant, dass die Praxis des Gänseliesel Küssens Anfang des 20.Jhr. besonders von Verbindungsstudenten gepflegt wurde. In den Verbindungshäusern war zugleich die Anstellung von Mägden allgemein üblich, wobei es zu regelmäßigen sexuellen Übergriffen und Missbrauch durch die Verbindungsstudenten kam. Aus elitären Verhältnissen stammend, hatten diese kaum mit Konsequenzen zu rechnen. Wir fühlen uns an die vor kurzem veröffentlichten Epstein-Akten erinnert. In diesen finden sich unzählige Nachweise und Hinweise auf hundertfachen Missbrauch von Minderjährigen, Vergewaltigungen, Übergriffe und Menschenhandel durch Personen der Finanz- und Machteliten. Auch hier: ungeahndet und jahrelang verschleiert durch die Beeinflussung von Gerichten, durch Erpressung und dadurch, dass Opfer systematisch in die Unglaubwürdigkeit gedrängt wurden. Das sind keine Einzelfälle.

Das ungefragte Küssen des Gänseliesls schließt symbolisch daran an. Denn Konsequenzen für sexuelle Übergriffe und Gewalt sind in unserer Gesellschaft weiterhin selten. Eine Aufstellung des bff von 2014 zeigt beispielsweise, dass nur etwa 5-15% aller Vergewaltigungen angezeigt werden und davon wiederum nur 8,4% verurteilt werden. Auch die neue Dunkelfeldstudie des BKA, die letzte Woche veröffentlicht wurde zeigt, dass weniger als 10% aller Gewalterfahrungen insgesamt angezeigt werden. Das liegt auch daran, dass der Umgang mit diesen Anzeigen bei Polizei und Justiz durch fehlende Sensibilität, Misstrauen und Diskreditierung gegenüber den Betroffenen geprägt ist.

Die Symbolik welche die Stadt Göttingen nun durch die (Teil-)Aufhebung des Kussverbotes unterstützt, ist ein weiterer Schlag ins Gesicht für all jene, die die Konsequenzen patriarchaler Gewalt tagtäglich spüren. Ja, es ist nur eine Statue. Aber solange die gesellschaftliche Realität sexualisierter Gewalt und Übergriffe für Frauen so allgegenwärtig ist, ist das Gänseliesel eben auch noch mehr. Statt der Relativierung und Unterstützung sexistischer Traditionen könnte die Stadt zum 125jährigen Jubiläum auch im Namen des Gänseliesels zu einem Jahr der verstärkten Prävention gegen sexualisierte Gewalt aufrufen. Im Rahmen der aktuellen Studien und weltweiter patriarchaler Gewalt wäre das sowohl als Marketing als auch inhaltlich ein wirklicher Gewinn für alle Göttinger*innen.

Wenn die Stadt also am 8. März, am Weltfrauentag, wieder stolz eine Fahne hissen möchte, um zu zeigen, dass sie Frauenrechte unterstützen und Frauenbelange ernst nehmen, dann sollte sie schnellstmöglich ihren Kurs ändern und das Kussverbot bekräftigen statt es aufzuheben.

 

Kontakt: gegenfemizide_goe@riseup.net

Frauen-Notruf e.V.
Postfach 1825
37008 Göttingen

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